Selim Kuzu über die Parallelen von Motorsport und Rechenzentrumsbau.
Ein Interview mit Selim Kuzu, Vorstandsmitglied der Serban DC, von Theresa Schönberger
Heute spreche ich mit Ihnen als neuem Sponsor des Proton Competition Porsche Racing Teams. Was hat Sie dazu bewegt, sich für dieses Team zu engagieren?
Der Rennsport, insbesondere der Porsche Cup, nimmt in Europa eine ganz besondere Stellung ein. Die Rennen sind wahre Mega-Events, die Fans aus der ganzen Welt anziehen. Anders als in der Formel 1, wo die Fahrzeuge individualisiert sind, fahren hier alle Teams einen Porsche. Die Fahrzeuge haben alle die gleichen Motoren und Getriebe. Es ist die perfekte Balance aus technischer Präzision, Teamwork und dem Fahrkönnen des Piloten, die diese Rennen so faszinierend machen und ein Rennen entscheiden. Deshalb identifizieren wir uns mit diesem Team und engagieren uns beim Porsche Cup und Mobil 1 Supercup.
Es geht hier also um mehr als nur um Speed?
Genau! Es ist eine Symbiose aus verschiedenen Fähigkeiten: Mentale Stärke, Können, Technik und unermüdlichem Einsatz. Dahinter stecken oft jahrelange Arbeit, akribische Planung und die Liebe zum Detail. Die Ingenieursleistung, das Feintuning der Aerodynamik, die präzise Konstruktion der Karosserie – all das ist das Ergebnis eines professionellen Teams, das gemeinsam mit dem Fahrer die Unterschiede ausmachen.
Was hat der Rennsport eigentlich mit Ihrem Geschäft – der Planung und dem Bau von Rechenzentren zu tun?
Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Sowohl im Rennsport als auch bei der Planung und dem Bau moderner Rechenzentren geht es um akribische Planung, Präzision, Teamwork und absolute Zuverlässigkeit. Oft entscheiden im Motorsport Millisekunden über Erfolg oder Niederlage – und bei Rechenzentren können kleinste Abweichungen enorme Auswirkungen haben. In den Teams arbeiten die besten und erfahrensten Menschen zusammen.
Ist das Teams, die Ingenieure Ihrer Meinung nach entscheidend oder die Fähigkeiten des Piloten?
Beide Lager verlangen höchste Ingenieurskunst, technisches Know-how, Ausdauer und vor allem perfektes Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Disziplinen. Im Rennsport sieht man während eines Rennens nur das Endergebnis auf der Strecke. Was dahinter steckt, bleibt oft unsichtbar: Unzählige Tests, die Arbeit an Aerodynamik, Karosserie, Motor, Systemmanagement, Elektronik oder Software ... Das Team ist quasi das Rückgrat. Die Ingenieure schaffen die Grundlagen, die Technik, die Datenanalyse und dann kommt der Pilot mit seinem Talent dazu. Es ist wirklich ein Zusammenspiel. Ohne das Team hat der Pilot kaum Chancen, aber ohne den Fahrer bringt das beste Auto nichts.
Genau dieses Zusammenspiel findet man auch bei der Planung und dem Bau von Rechenzentren wieder. Dort müssen ebenfalls zahlreiche Experten und Technologie-Lieferanten eng zusammenarbeiten – von der Elektrotechnik, der Kühlung bis hin zu Sicherheitssystemen und intelligenter Steuerungstechnik. Alles arbeitet auf ein gemeinsames Ziel hin: maximale Performance, Stabilität und Effizienz. Das geht nur zusammen im Team!
Das hört sich nach einer sehr starken Verbindung zwischen Rennsport und Rechenzentren an. Sie sagten: „Beide Welten stehen für Innovation, Präzision und Teamarbeit auf höchstem Niveau.“ Aber das allein war bestimmt nicht der Grund für Ihr Engagement oder?
Natürlich spielt auch die persönliche Leidenschaft eine Rolle. Motorsport war schon immer mein Hobby. Ich schraube seit meiner Kindheit an Autos rum. Der Porsche Carrera Cup ist jedoch etwas ganz Besonderes – vor allem hier in Deutschland, wo Porsche und der Motorsport eine lange Tradition und eine enorme emotionale Bedeutung haben. Die Autos sind extrem leistungsstark, aber dennoch weitgehend seriennah, und das sorgt dafür, dass wirklich jeder Fahrer mit ähnlichen Bedingungen startet. Das heißt, es geht vor allem um das Talent der Fahrer.
Ist das in Ihrer Branche auch so? Sind die Projektleiter entscheidend?
An den Fahrzeugen wird viel gearbeitet. Sie werden in einem sehr strengen Reglement aufgebaut. Das heißt, alle Autos sind fast gleich konfiguriert, aber es gibt natürlich unzählige Details, an denen gefeilt wird: Aerodynamik, Reifen, Fahrwerk, Software-Updates – alles muss perfekt abgestimmt sein.
Das ist bei einem Rechenzentrumsprojekt genauso. Die Anforderungen, die von einem Auftraggeber kommen, sind für alle EPC Contractor gleich: die maximal zu erreichende MW-Leistung, so schnell und so günstig wie möglich bauen. Sollwerte, Komponenten, etc. alles muss optimal aufeinander abgestimmt sein, um Höchstleistung zu erreichen.
Die Ergebnisse fallen jedoch sehr unterschiedlich aus. Die Projektleitung ist natürlich sehr wichtig. Aber unabhängig von einzelnen Personen, Preisen und dem Projektmanagement, sind wir das einzige Unternehmen in Europa, das sämtliche Leitungen aus einer Hand mit eigenen Teams und eigenen Komponentenherstellern anbietet. Allein diese Besonderheit führt dazu, dass ein einzelner Manager nicht so viele Fehler machen kann und wir ein Projekt nahe zu 12 Monate früher abschließen als alle anderen.
Zählt nicht immer das Ergebnis? Die langjährige Arbeit ist doch oft nichts Wert, wenn sie nicht Gewinnen.
Ja, das trifft es total. Man sieht zwar am Ende nur das Rennen, die Geschwindigkeit, die Spannung – aber dahinter steckt eben Monate oder sogar Jahre an Planung, Erfahrung und Optimierung. Genau diese unsichtbare Arbeit wird zum entscheidenden Faktor für den Erfolg. Ohne ausnahmslos zusammenwirkende, ganz eng miteinander arbeitende Menschen, ist das „Gewinnen“ nicht möglich.
Interessieren sich viele Frauen für den Porsche CUP bzw. für den Rennsport?
Absolut, der Rennsport zieht heute viel mehr Frauen an, als man vielleicht denkt. Es gibt aktive Fahrerinnen, Teamchefinnen, Ingenieurinnen – und das Interesse wächst. Es ist längst nicht mehr nur eine reine Männerdomäne. Meine Töchter sind auch große Fans. Es ist schön, wenn die Begeisterung für den Rennsport in der Familie gelebt werden kann.
Worauf freuen Sie sich in dieser Saison am meisten?
Auf die internationalen Stationen und unsere Partner, mit denen wir uns auf der Rennstrecke treffen und uns austauschen. Ich bin auch sehr gespannt auf die jungen Talente, die jetzt mitmischen. Da steckt viel Potenzial drin.
Ich wünsche Ihnen und Ihrem Team viel Erfolg – wir sehen uns in spätestens in Monaco.